Chancen eines Konfliktes (Teil 1)

Wer will schon Konflikte haben? Sie ärgern, sie bedrohen, sie machen die Räume eng. Die Konfliktparteien verändern sich - nicht zu ihrem Besten. Das Denken wird eindimensional, das Wollen störrisch, das Fühlen aggressiv, das Zuhören ausgeschaltet. Wofür sollte man also dankbar sein. 

 

Zunächst einmal, weil jeder Konflikt zeigt, dass die Konfliktparteien in einer Beziehung stehen. Die Eskalation des Konfliktes ergibt sich nämlich in aller Regel daraus, dass  man noch miteinander zu tun hat. Wäre dies nicht so, hätte der Konflikt keinerlei Bedeutung für die Parteien, es wäre eine reine Sachfrage, die man so oder anders lösen könnte. Genau das ist aber ein Konflikt nicht. Ein Konflikt enthält immer auch eine Beziehungskomponente. Entweder zum Konfliktgegner selbst oder zu einem Dritten, der von dem Konflikt  nicht zwingend Kenntnis haben muss. In diesem Fall triggert der eine Konfliktgegner etwas an, was beim anderen etwas auslöst. 

 

In beiden Fällen gibt der Konflikt den Konfliktparteien also die Chance, etwas zu erkennen, was über die reinen Sachfragen hinaus von Bedeutung ist. Das ist in der Regel nicht schön, sonst wäre es keine Konflikt, aber es sagt etwas über die jeweilige Konfliktpartei. Mit anderen Worten, ein Konflikt ist oftmals wie eine Lupe, die man über etwas hält, was ohnehin da ist, was man aber zuvor nicht gesehen hat. Ob die Lupe dann zum Brennglas im wahrsten Sinne des Wortes wird, ist nur noch eine Frage der Intensität, mit der das Licht darauf fällt. 

 

Jeder Konflikt ist somit ein Wegweiser zu einem Thema, das es wahrzunehmen gilt. Und wenn das Thema dann benannt wird, dann kann es auch bearbeitet werden. Das ist genau das, was in Mediationen passiert: Themen werden erkannt, benannt und in der Folge in etwas Gutes transformiert. Wenn das kein Chance ist? 

 

 

 

   

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